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The Alan Parsons Project - Tales of Mystery and Imagination - Edgar Allan Poe

The Alan Parsons Project - Tales of Mystery and Imagination - Edgar Allan Poe

1976

  1. A Dream within a Dream (Instrumental)
  2. The Raven
  3. The Tell-tale Heart
  4. The Cask of Amontillado
  5. (The System of) Doctor Tarr and Professor Fether
    The Fall of the House of Usher (Instrumental)
  6. I Prelude
  7. II Arrival
  8. III Intermezzo
  9. IV Pavane
  10. V Fall
  11. To One in Paradise

Bedauerlicherweise ist das Debüt von Alan Parsons in zwei Versionen erhältlich: eine Original Vinyl-Fassung und eine CD-Pressung, der ein Take von Orson Welles, diverse Gitarrensoli und mehr hinzugefügt wurden. Nostalgiker werfen der CD-Pressung vor, sie komme nicht an das Original heran, mache das Meisterwerk kaputt. Durchaus richtig, doch machen diese Stimmen auch die geniale CD-Pressung kaputt, die alles andere als Schund ist: die Gitarrensoli sind große Klasse und Orson Welles als Special Guest zu haben kann auch nicht jedes Album von sich behaupten. Ganz gleich, welches Album besser ist: die Homage an E.A. Poe ist ein Kunstwerk für sich, das ändert auch kein hinzugefügtes Gitarrensolo. Deshalb gehe ich hier auch auf die CD-Pressung ein.
Nach einer Produzenten-Mitarbeit an Abbey Road und The Darkside of the moon erschien 1976 Alan Parsons Debüt in Zusammenarbeit mit Sänger, Texter und Keyboarder Eric Woolfson und dem jungen Dirigenten und Arrangeur Andrew Powell, der am Komplex The Fall of the House of Usher mitwirkte. Das Album beginnt mit einer Dichtung, die Parsons aus Eigeninitiative zu geschickt wurde – und zwar von keinem geringeren als Regisseur und Schauspieler Orson Welles (bekannt durch Citizen Kane, 1941, der zu Unrecht als bester Film aller Zeiten gilt). Darauf folgt ein wunderschönes Instrumental-Vorspiel, welches in das pompöse, göttlich gesungene und mit einem hervorragenden Gitarrensolo bestückte The Raven übergeht. Alle Stücke dieser Platte beziehen sich direkt auf die Meisterwerke der schillerndsten amerikanischen Dichterpersönlichkeit des 19. Jhdts., E.A. Poe (The Raven – Der Rabe, The Cask of Amontillado – Das Fass Amontillado, The Fall of the House of Usher – Der Untergang des Hauses Usher). Als wir nach The Raven schon vor lauter Ehrfurcht vor uns hin starren, werden wir von The Tell-tale Heart fast überrannt: laut, frech und sehr kunstvoll. Spätestens jetzt sollte auffallen, dass die Gesangsstimmen einander kaum ähneln: Parsons beanspruchte für jedes Album etliche Gastmusiker (daher auch „Project“), selten sind seine Gesangskünste zu hören, wie beispielsweise in der verzerrten The Raven-Strophe. The Cask of Amontillado (in dem Poe die lebendige Einmauerung als Rachemord thematisiert) beginnt ganz ruhig und traurig, baut unentwegt Spannung auf und endet in einem imposanten und orchestral unterlegten Finale. Es folgt das geniale (The System of) Doctor Tarr and Professor Fether, melodiös und bombastisch, wunderschön gesungen. Das instrumentale Epos The Fall of the House of Usher, zwingt uns auf II Arival vor Spannung in die Knie, verwöhnt uns mit Melodie auf IV Pavane. Zum Abschluss dieses Meilensteins serviert Parson mit To One in Paradise noch das schwächste (aber keineswegs schwache) Stück des Albums. Hier klingt leider schon an, dass das Projekt seine Klasse beim Debüt nie wieder erreichen sollte, sich im Pathetischen, im Kitschigen verlieren sollte, wie dies auf dem folgenden, recht guten I Robot ganz deutlich zu erkennen war. Doch davon war dieses Album noch frei, daher ist das Debüt des Alan Parsons Project das größte Album des orchestralen PopRocks aller Zeiten. Auf einem Album den Rock, den Pop, die E-Musik und die Poesie so zu vereinen, schaffte keiner. Dieses Album übersteigt alles, was wir bis jetzt für die Könige des Pop hielten: Revolver, St. Peppers (beide Beatles), Pet Sounds (Beach Boys), Blonde on Blonde (Bob Dylan) und sogar das ein Jahr später erschienene Rumours (Fleetwood Mac). Schade, dass es noch dieses Ärgernis mit den zwei Versionen gibt. Doch davon lässt sich dieses Meisterwerk nicht umwerfen. Man kann durchaus sagen: dieses Album wird einer Ode an E.A. Poe gerecht. Es ist ein Gefühl voller Ehrfurcht, dieses Album in Händen zu halten, und wir möchten es nie mehr loslassen, nie mehr.
For „thus quoth the raven: Nevermore“.

  • Wertung: 15
  • Innovation: 14
  • Klang: 15
  • Konzept: 14
  • Texte: 15
     
  • Gesang: 15
  • Gitarre: 13
  • Keyboards: 14
  • Schlagzeug: 12


  • Alan Parsons, Eric Woolfson, Leonard Whiting u.v.m.: vocals
  • Stuart Tosh, Burleigh Drummond: drums
  • Joe Puerta, David Paton u.v.m.: bass
  • Billy Lyall, Eric Woolfson, Alan Parsons u.v.m.: keyboards
  • Ian Bairnson, David Paton, David Pack u.v.m.: guitars
  • Orson Welles: narration
  • Orchestra arranged and conducted by: Andrew Powell

Bestes Stück: das Album

07.10.2005 von Der Kritiker

Kommentare

Es liegen 5 Antworten vor

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09.10.05   manches nervt auchKommentar von Jockel
ich war 12 als das album rauskam. mit 14 habe ich es dann gekauft. bis heute ein album, das man immer hören kann, auch wenn das eine oder andere stück (bombastische instrumentierung) echt nervt. aber wozu gibt es die skip-taste. das war beim plattenspieler früher schwieriger... mehr lesen
10.10.05   Von seichten Gewässern in die raue SeeKommentar von Robber
Zugegeben ein wunderschönes Stück Musik(geschichte). Instrumental auf hohem Niveau und konzeptionell wohl durchdacht. Die Vorlagen Poe’s wurden auf wundersame Weise in sphärische Klangwelten transferiert. Allerdings klingt vieles trotz der pompösen Produktion zu seicht (für meinen Geschmack *g*). Nun gut, ich bin was den Härtegrad angeht zwar ein schlechter Maßstab, dennoch ein wenig mehr Bis.. mehr lesen
10.10.05   Jetzt, wo sich die Kritik häuft...Kommentar von Der Kritiker
...möchte man doch noch einmal festhalten, dass die Bezeichnungen bombastisch, pompös, popig, melodiös und harmonisch absolut wertungsfreie Begriffe sind, denen Parsons hier zu einem unglaublichen Musikpotential verhilft. Was soll denn an diesem Album überproduziert sein? Bei Darkside of the moon spricht man dann aber von perfekter Produktion. Parsons ist hier klangtechnisch seiner Zeit weit vorau.. mehr lesen
12.10.05   SubjektivitätKommentar von Robber
Ich wollte hier in keinster Weise die Größe dieses Werkes anzweifeln. Was ich über den fehlenden Biss geschrieben habe ist lediglich der Ausdruck einer subjektiven Meinung. Selbe Intention möchte ich jetzt mal dem Jockel unterstellen als er dem Erfinder der Skip-Taste dankte. *g* Keiner von uns darf sich auch nur anmaßen einen solchen Meilenstein abzuwerten. Was wir tun können ist lediglich unsere.. mehr lesen
13.10.05   NEVERMIND?!Kommentar von Der Kritiker
Also wenn ein Album richtig fett und überproduziert ist, dann wohl Nevermind. Man beachte nur das Refrainriff zu Smells like teen spirit. Ich will gar nicht wissen, wie viele Gitarrenspuren das sind... Außerdem: Wer sagt, dass NEVERMIND ein Kultalbum ist? Vom Prinzip her verstehe ich deine Anmerkung, denke aber auch, dass sie beispielsweise viel besser auf das Debüt der Velvet Underground pass.. mehr lesen




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