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Can - Tago Mago

Can - Tago Mago

1971

  1. Paperhouse
  2. Mushroom
  3. Oh yeah
  4. Halleluhwah
  5. Aumgn
  6. Peking O
  7. Bring me coffee or tea

1970 ersetzte der Japaner Damo Suzuki den auf Grund eines psychischen Zusammenbruchs ausgestiegenen Monster Movie-Sänger Malcom Mooney. Mit Suzuki veröffentlichen Can auch 1971 ihr zweites offizielles Album Tago Mago, das bis heute Kultstatus hat und in einem Zug mit Physical Graffiti, The Piper at the gates of dawn und Electric Ladyland genannt werden kann.
Gaben sich The Can auf Monster Movie noch dem reinen ProgRock hin, so sind auf Tago Mago deutlich psychedelische und experimentelle Klänge zu hören. Der Sängerwechsel war für diesen Stilwechsel wohl nötig, so merkt man Suzuki an, dass er das Psychedelische mehr beherrscht als das Progressive, bei Mooney verhält es sich genau umgekehrt – großartige Sänger waren sie beide. Doch von einem Stilbruch kann man bei Tago Mago wohl kaum reden: das Album klingt immer noch nach Can, nach Monster Movie, nur eben düsterer, ausufernder, an manchen Stellen aber selbst für mich als erprobter Prog-Liebhaber, unerträglich. Die ersten vier Stücke des Albums gehören unbestritten zur absoluten Weltklasse. Dergleichen gab es nicht noch einmal im psychedelischen Progrock (auch gerne mal Krautrock genannt, da die Band aus Köln, Deutschland kam). Paperhouse eröffnet das Meisterwerk ungewohnt melodisch, wird aber zur mitreißenden Flut, die sich bis zum Ende des genialen Mushroom nicht beruhigt, um dann von Liebezeits drums in Oh yeah zum brausenden Ozean zu werden. Schon nach den ersten drei Liedern wird klar, dass in Tago Mago noch mehr als in Monster Movie der Rhythmus gefeiert wird. Liebezeits Schlagzeug dürfte vielleicht nicht das virtuoseste, aber sicher das kreativste und treibendste sein. Karolis seltene Gitarrensoli und Fills sind so intelligent gespielt, dass sie mit der restlichen Musik unwiderruflich verwachsen. In vierten Stück Oh Yeah zeigt nun auch mal Musikikone Holger Czukay, dass er ein äußert guter, rhythmisch und melodisch komponierender Bassist ist. Mutig ist es schon, welche Klänge uns Can ab dem fünften Stück präsentieren. Nur beschleicht uns an manchen Stellen die Frage, ob dies wirklich noch genial, wirklich nötig gewesen sei. Die ersten und letzten fünf Minuten von Aumgn und die erste Hälfte von Peking O sind auch wirklich wunderschön, nur was mittendrin rumwuselt, das ist fast sinnlos ausufernd, manches einfach nur unerträglich. Schade. Denn wir können Can hier kaum den Vorwurf machen, das sei zu seicht. Man kann ihnen nur vorwerfen, dass wir nicht aufnahmefähig genug sind, nicht geduldig genug. Wenn man die Kraft und die Geduld besitzt, sich diese experimentelle Phase des Albums wirklich einmal anzuhören, wird man sich selbst an ihr ergötzen können, aber eines wird es wohl immer bleiben: anstrengend. Wenn man das Album jedoch genau so hört, wie es sich für ein richtiges Konzeptalbum gehört, nämlich von vorne bis hinten, ohne Pause und mit viel Ruhe, dann ist es Teil eines genialen Kunstwerks und man darf sich selbst dabei beobachten, wie man anfängt, die Klangexperimente an sich genial zu finden. Nach der experimentellen Phase folgt das letzte Stück Bring me coffee or tea, das über fünf Minuten eine unerträgliche Spannung aufbaut und recht gewöhnungsbedürftig ist. Bleibt die Frage nach der Bewertung dieses Albums. Kann man dem Album überhaupt weniger als 15 Punkte geben, wenn es schon in den Bereichen Innovation und Konzept 16, im Bereich Klang gar 18 Punkte verdient hätte. Doch da wäre noch die teils geniale, teils unerträgliche Experimentierfreude. Noch mal drüber nachdenken, die Platte noch mal von vorne hören und schon nach den ersten Karoli-Akkorden wird klar…
  • Wertung: 15
  • Innovation: 15
  • Klang: 15 (und selbst das ist zu wenig)
  • Konzept: 15
  • Texte: v?llig zweitrangig
     
  • Bass: 14
  • Gesang: 14
  • Gitarre: 15
  • Schlagzeug: 15


  • Holger Szukay: bass
  • Michael Karoli: guitar
  • Jaki Liebezeit: drums
  • Damo Suzuki: vocals
  • Irmin Schmidt: keyboards


Beste Stücke: Paperhouse, Oh yeah, Halleluhwah

07.10.2005 von Der Kritiker

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