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Led Zeppelin - Physical Graffiti

Led Zeppelin - Physical Graffiti

1975
  1. Custard Pie
  2. The Rover
  3. In My Time Of Dying
  4. Houses Of The Holy
  5. Trampled Underfoot
  6. Kashmir
  1. In The Light
  2. Bron-Yr-Aur
  3. Down By The Seaside
  4. Ten Years Gone
  5. Night Flight
  6. The Wanton Song
  7. Boogie With Stu
  8. Black Country Woman
  9. Sick Again

Zeit der Epen – Zeit der Resteverwertung. Klingt bizarr, ist trist.
Das erste im eigenen Label Swan Song veröffentliche Led Zeppelin-Album ist auch deren bestes. Schon in den ersten Sekunden von Custard Pie wird klar, das hier könnte etwas ganz großes werden - in den letzten Sekunden von Sick Again weiß man, es ist zu etwas ganz großem geworden. Und doch darf man am Ende des Doppelalbums durchaus enttäuscht sein: Led Zeppelin hätten hier mit etwas mehr Sinn für Ästhetik und Kunst eines der drei größten Alben der Musikgeschichte feiern dürfen. Statt dessen jedoch folgten sie der Idee des Pragmatismus: hochkarätige Stücke wie Custard Pie, The Rover, In my time of dying, Trampled Underfoot, Kashmir, In the Light und Ten Years Gone, alle einzig und allein für Physical Graffiti geschrieben, wurden gemischt mit altem Restmaterial wie Houses of the holy (das für den gleichnamigen Vorgänger bestimmt war), dem enttäuschenden Boogie with Stu und dem sehr gelungenen, aber eher Led Zeppelin III-tauglichen Bron-Y-Aur. Man stelle sich ein Album des oben aufgeführten Exklusivmaterials vor, ohne weitere Zusätze. Led Zeppelin hätten wohl das allererste Album der Rockgeschichte ohne Makel, ohne Schwachpunkt, bestückt mit Meisterwerken - jedes für sich - veröffentlicht. Doch so müssen wir uns mit einer überragenden ersten CD (bzw. ersten beiden Seiten), die mit Houses of the holy einen kleinen Schwachpunkt hat, und einer guten zweiten CD (bzw. Seiten 3 und 4), die mit In the light und Ten Years gone zwei große Epen und mit Bron-Y-Aur ein wunderschönes Akustikgitarreninstrumental beinhaltet. Man erbringt dem Album und sich selbst jedoch – so traurig das jetzt klingt – einen Gefallen, wenn man die zweite Seite nach dem Wanton Song abstellt. Diese klaffende Lücke zwischen Genialität und Banalität ist wohl beispiellos – und doch ist Physical Graffiti das beste Album der vier Briten, ein wunderschönes und künstlerisch wertvolles Epos, auf dem auch endlich wieder Jimmy Page mit göttlichen Riffs glänzen kann (Custard Pie, The rover, Trampled Underfoot, Kashmir, Ten years gone). Am beeindruckendsten ist jedoch erneut Schlagzeuger Don Bonham, der nicht durch komplizierte Rhythmen, sondern durch sicheres, bombastisches und minimalistisches Schlagzeugspiel (mit unverkennbarer Bassdrumm) noch etliche Schlagzeugergenerationen in die Schranken weisen wird.

  • Wertung: 14
  • Innovation: 12
  • Klang: 15
  • Konzept: 1
  • Texte: 10
     
  • Bass: 13
  • Gesang: 12
  • Gitarre: 13
  • Schlagzeug: 15

  • Don Bonham: drums
  • Jimmy Page: guitar
  • John Paul Jones: bass
  • Robert Plant: vocals

25.09.2005 von Der Kritiker

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