The Mars Volta - De-Loused in the Comatorium
2003
- Son et Lumiere
- Inertiatic ESP
- Roulette Dares (The Haunt of)
- Tira me a Las Aranas
- Drunkship of Lanterns
- Eriatarka
- Cicatriz ESP
- This Apparatus must be unearthed
- Televators
- Take the veil cerpin taxt
Thema des Debütalbums der ehemaligen At the Drive-In-Köpfe Cedric Bixler-Zavala (vocals) und Omar Rodriguez (guitar) ist der Tod des Julio Venegas 1996, der eifrig am neuen Konzept Mars Volta mitwirkte. Omar und Cedric vertonen seine Reise im Koma und sprengen damit alle bisher bekannte Schemata. Als Gastmusiker ist hier Red Hot Chili Peppers-Bassikone Flea mit an Bord, der aber trotz hervorragender Leistung neben den Virtuosen Cedric und Omar – und besonders neben Drummer Jon Theodor – untergeht. Jedes Instrument ist hier ein Kunstwerk für sich: Cedrics vocals sind hart und weich zu gleich, er besitzt eine unglaubliche Ausdrucksfähigkeit; Gitarrist Omar erinnert etwas an Hendrix, spielt rasendschnell, aber eben nicht aalglatt, seine Solos sind – zumindest tonal gesehen – sogar für den ProgRock unglaublich neu und interessant. So wie Cedric neue Ausdrucksformen im Gesang und Omar neue tonale Konzepte im Improvisieren entwickelt, sprengt auch Drummer Jon Theodore den typischen Schlagzeugrahmen, ohne dabei all zu viel mit Taktwechseln zu arbeiten. Was der Drummer hier bietet, ist absolute Spitzenklasse und darf wohl nur mit Dream Theater-Drummer Mark Portnoy oder Rush-Drummer Neil Peart gleichgestellt werden. Ob man mit dem Album zu Recht kommt oder nicht, ändert nichts daran, dass es musikalisch äußert wertvoll ist. Die Reise leiten die Musiker mit einem wunderschönen Vorspiel ein, das ins aufwühlende Inertiatic ESP mündet, um mit dem genialen Roulette Dares den Gipfel an Konfusion, aber auch an Genialität zu erreichen. Spätestens hier wird klar, dass The Mars Volta alle bisher da gewesenen Songstrukturen über Bord werfen, und selbst im Bereich Krautrock/Progrock noch Pionierarbeit leisten. Im Drunkship of Lanterns stellt Omar seine rasenden Gitarrenläufe zur Schau, während hier ProgRock auf Salsa trifft. Hätte doch niemand gedacht, dass es so genial werden könnte. Im wunderschönen Eriatarka-Intro macht der kleine Omar Hendrix nicht nur Konkurrenz, er übertrifft seine Intros zu Purple Haze oder Little Wing um weites – Melodie pur. Im Herzstück der Platte, dem 13-minütigen Cicatriz ESP stellen die Musiker ihren Rockfaktor unter Beweis; und vor allem, dass auch Improvisationsparts genial sein können. Von endlos langen Experimentierphasen sehen sie jedoch ab, was für diese Musikrichtung recht ungewöhnlich, dafür umso erfreulicher ist. The Mars Volta erheben eben nicht den pseudointellektuellen Anspruch, wie manch andere Progrocker es tun. Das einzige ruhige und akustische Stück der Platte offenbart sich in Televators, eine herzzerreißende Komposition, die perfekt in dieses Album passt und keineswegs eine Ruhepause darstellt. The Mars Volta beenden dieses Meisterwerk mit Take the veil Cerpin Taxt, das man ohne Probleme in vier oder fünf kleine Lieder aufteilen könnte, denn hier wird strukturiert ein geniales Riff an das andere gesetzt. Und wenn man sich dieses Album einige Male zu Gemüte geführt hat, so scheint es, dass es sogar der Songkönig dieses Albums ist, das in allen Bereichen perfektes Kunstwerk ist. Selten war eine Kritik so schwer zu schreiben, selten ist ein so durchwachsenes Ergebnis heraus gekommen. Vielleicht kennt man das Album schon zu lange, um sich wirklich noch vor anderen darüber auszulassen. Vielleicht macht dieses Album aber auch gerade erst das groß, was sich nicht beschreiben lässt. Man muss es eben einfach gehört haben. Egal, ob man meine Meinung dann teilt, man wird De-Loused in the Comatorium nicht mehr vergessen. Es war die Bibel meiner Jugend (Anm.: ich bin Atheist), es war immer noch ein Stück genialer als Physical Graffiti, als The Darkside of the moon, als Monster Movie und Are you experienced. Was Can mit Tago Mago schuf, was Pink Floyd mit The Piper, was Hendrix mit Electric Ladyland, das schufen The Mars Volta mit ihrem Debüt. Nur, dass Can und Pink Floyd dies als Pioniere des ProgRock taten, und Mars Volta eben erst 2003, nach fast 40 Jahren, in denen doch scheinbar alle Grenzen überschritten sind, die Zeit der genialen Musik weit hinter uns liegt. Aber eben nur scheinbar.
- Wertung: 15
- Innovation: 15
- Klang: 15
- Konzept: 15
- Texte: 15
- Bass: 15
- Gesang: 15
- Gitarre: 15
- Schlagzeug: 15
- Cedric Bixler Zavala: vocals
- Omar Rodriguez-Lopez: guitars
- Jon Theodore: drums
- Flea: bass
Beste Stück: das Album
07.10.2005 von Der Kritiker
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Konzepte:
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